Wer von einer klassischen Gas- oder Ölheizung auf Infrarottechnik umsteigt, begeht oft den gleichen Fehler: Er übernimmt blind die alten Gewohnheiten. Man stellt das Thermostat auf 22 oder 23 Grad, weil man es so gewohnt ist. Doch bei einer Infrarotheizung führt das meistens dazu, dass man im T-Shirt schwitzt und die Stromrechnung unnötig in die Höhe treibt.
Das liegt an der Physik der Strahlungswärme. Um die perfekte Wohlfühltemperatur zu finden, muss man verstehen, dass Infrarot nicht die Luft, sondern den Körper und die Wände erwärmt. Das verändert alles.
Die gefühlte Temperatur: Der 2-Grad-Vorteil
Der wichtigste Effekt bei der Infrarotheizung ist die sogenannte „operative Temperatur“. Da die Wärmewellen direkt auf Ihre Haut treffen, empfindet Ihr Körper die Umgebung als deutlich wärmer, als die Luft eigentlich ist.
In der Praxis bedeutet das: Eine eingestellte Temperatur von 19 Grad bei einer Infrarotheizung fühlt sich für die meisten Menschen genauso behaglich an wie 21 Grad bei einer herkömmlichen Heizung.
Mein Rat: Fangen Sie bei Ihrem Thermostat mit 19 Grad an. Geben Sie dem Raum 30 bis 60 Minuten Zeit. Sie werden merken, dass das Frösteln ausbleibt, obwohl die Lufttemperatur niedriger ist als früher. Da jedes Grad weniger die Heizkosten um etwa 6 % senkt, sparen Sie allein durch diese kleine Umstellung bares Geld, ohne an Komfort zu verlieren.
Empfehlungen für die verschiedenen Räume
Natürlich hat jeder Raum andere Anforderungen. Hier ist eine kleine Orientierungshilfe für Ihre Einstellungen:
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Wohnzimmer: 19 °C bis 20 °C reichen meist völlig aus, da man hier oft direkt im Strahlungsbereich der Paneele sitzt.
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Badezimmer: Hier darf es mit 21 °C bis 22 °C etwas mehr sein, da man sich dort meist unbekleidet aufhält.
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Schlafzimmer: 16 °C bis 17 °C sind ideal für einen gesunden Schlaf. Die Strahlungswärme sorgt beim Zubettgehen trotzdem für eine angenehme Wärme auf der Decke.
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Flur und Küche: 18 °C sind hier oft genug, da man in diesen Räumen meist in Bewegung ist.
Warum die Wände der Schlüssel zum Erfolg sind
Bei einer normalen Heizung sind die Wände oft kühler als die Luft. Das erzeugt einen unangenehmen „Zug“. Infrarotstrahlen ziehen in das Mauerwerk ein und erwärmen es. Warme Wände strahlen Wärme zurück und verhindern die Bildung von Kondenswasser.
Stellen Sie Ihr Thermostat also nie so hoch ein, dass die Heizung im Dauerbetrieb läuft. Das Ziel ist, dass die Wände die Wärme speichern und das Thermostat das Paneel immer wieder abschalten kann. Wenn Sie exakt wissen wollen, wie viel Strom Sie bei Ihrer Wunschtemperatur verbrauchen, schauen Sie kurz in den Infrarotheizung Kostenrechner von Sollero. Dort können Sie Ihre Raumdaten eingeben und sehen sofort, wie viel Watt Sie für Ihre Wohlfühltemperatur einplanen sollten.
Nachtabsenkung und Abwesenheit
Infrarotheizungen reagieren schnell. Trotzdem ist es nicht ratsam, die Temperatur nachts komplett auszuschalten. Wenn die Wände erst einmal eiskalt sind, braucht die Heizung am nächsten Tag extrem viel Energie, um die Masse wieder aufzuheizen.
Eine Absenkung auf 16 Grad ist ideal. Das verhindert, dass die Bausubstanz auskühlt, spart aber während Ihrer Abwesenheit massiv Strom. Ein smartes Thermostat kann diesen Job automatisch für Sie erledigen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist eine Infrarotheizung gefährlich?
Nein, Infrarotheizungen sind absolut sicher. Die Strahlung entspricht der natürlichen Wärme der Sonne (Infrarot-C-Strahlung), jedoch ohne schädliche UV-Strahlen. Achten Sie beim Kauf lediglich auf Prüfsiegel wie das GS-Zeichen oder TÜV-Zertifizierungen.
Wie hoch sind die Anschaffungskosten einer Infrarotheizung?
Einfache Wandpaneele beginnen bereits bei ca. 150 bis 300 Euro. Hochwertige Glas- oder Bildheizungen sowie Modelle mit spezieller Technik können zwischen 400 und 800 Euro liegen. Die Investition ist deutlich geringer als bei wassergeführten Systemen.
Was sind die Vorteile einer Infrarotheizung gegenüber einer herkömmlichen Heizung?
Infrarotheizungen wirbeln keinen Staub auf (ideal für Allergiker), trocknen die Wände aus (beugt Schimmel vor) und sind völlig wartungsfrei. Zudem ist die Installation kinderleicht: Paneel aufhängen, Stecker rein, fertig.
Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll?
Sie ist ideal als Zusatzheizung in Räumen, die unregelmäßig genutzt werden (Bad, Hobbyraum), als Ersatz für Nachtspeicheröfen oder in sehr gut gedämmten Neubauten als Hauptheizung in Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage.
Kann man Infrarotheizungen im Badezimmer verwenden?
Ja, das ist sogar eines der beliebtesten Einsatzgebiete. Spiegelheizungen sorgen für ein beschlagfreies Spiegelbild und wohlige Wärme nach dem Duschen. Wichtig ist hierbei die IP44-Zertifizierung für den Spritzwasserschutz.
Fazit: Weniger ist mehr
Die ideale Temperatur bei einer Infrarotheizung ist oft niedriger, als Sie denken. Vertrauen Sie weniger auf die nackte Zahl am Display und mehr auf Ihr eigenes Wärmegefühl. Wer konsequent mit 1 bis 2 Grad weniger plant als bei einer Gasheizung, genießt das gleiche Wohlbefinden bei deutlich niedrigeren Stromkosten. Das richtige Thermostat und eine solide Planung der Watt-Leistung sind dabei Ihre wichtigsten Helfer.



