Bei der Installation einer Split-Klimaanlage taucht fast immer ein Begriff auf: Evakuieren. Dabei kommt eine Vakuumpumpe zum Einsatz, um vor der Inbetriebnahme Luft und Feuchtigkeit aus bestimmten Bereichen des Kältemittelkreislaufs zu entfernen.
Doch warum ist dieser Arbeitsschritt überhaupt notwendig? Was passiert, wenn Luft im Leitungssystem verbleibt? Und braucht jede Klimaanlage zwingend eine Vakuumpumpe?
In diesem Ratgeber erklären wir, welche Aufgabe eine Vakuumpumpe bei einer Klimaanlage übernimmt, warum Feuchtigkeit und nicht kondensierbare Gase problematisch sein können und worin sich klassische Installationen von vorbereiteten Verbindungssystemen unterscheiden.
Wer sich zunächst über unterschiedliche Geräte informieren möchte, findet hier unsere Split-Klimaanlagen für unterschiedliche Raumgrößen .
Warum wird eine Klimaanlage evakuiert?
Bei einer klassischen Split-Klimaanlage befinden sich Innen- und Außengerät an unterschiedlichen Positionen und werden über Kältemittelleitungen miteinander verbunden.
Das Außengerät kann ab Werk bereits eine definierte Kältemittelfüllung enthalten. Neu verlegte oder geöffnete Verbindungsleitungen enthalten dagegen zunächst Umgebungsluft.
Diese Luft enthält neben Stickstoff und Sauerstoff auch Wasserdampf. Beides ist in einem Kältemittelkreislauf unerwünscht.
Nicht kondensierbare Gase
Luftbestandteile wie Stickstoff und Sauerstoff verhalten sich im Kältemittelkreislauf anders als das vorgesehene Kältemittel. Sie können sich unter den üblichen Betriebsbedingungen nicht in gleicher Weise verflüssigen.
Verbleiben solche Gase im System, können unter anderem Betriebsdrücke, Wärmeübertragung und Energieeffizienz beeinträchtigt werden.
Feuchtigkeit im Kältemittelkreislauf
Auch Feuchtigkeit ist unerwünscht. Wasser kann mit Kältemittel, Kältemaschinenöl und anderen Stoffen im System reagieren beziehungsweise den zuverlässigen Betrieb beeinträchtigen.
Je nach Kältemittel, Öl und Betriebsbedingungen können unter anderem Korrosion, chemische Reaktionen, Vereisungen an engen Querschnitten oder eine Beeinträchtigung der Schmierung entstehen.
Das Evakuieren dient nicht nur dazu, Luft aus den Leitungen zu entfernen. Es soll auch dazu beitragen, vorhandene Feuchtigkeit aus dem System zu entfernen, bevor der Kältemittelkreislauf endgültig in Betrieb genommen wird.
Wie entfernt eine Vakuumpumpe Feuchtigkeit?
Eine Vakuumpumpe reduziert den Druck im Leitungssystem deutlich. Dadurch verändert sich auch das physikalische Verhalten von Wasser.
Der Siedepunkt von Wasser hängt vom Umgebungsdruck ab. Bei normalem Atmosphärendruck siedet Wasser bei ungefähr 100 °C. Wird der Druck deutlich reduziert, sinkt auch der Siedepunkt.
Unter ausreichend niedrigem Druck kann deshalb vorhandene Feuchtigkeit bereits bei deutlich geringeren Temperaturen verdampfen und anschließend mit der Vakuumpumpe aus dem System entfernt werden.
Je niedriger der Druck im System wird, desto leichter kann vorhandene Feuchtigkeit verdampfen. Deshalb ist bei einer fachgerechten Evakuierung nicht allein die Laufzeit der Pumpe entscheidend, sondern vor allem das erreichte und stabile Vakuumniveau.
Was kann passieren, wenn eine Klimaanlage nicht richtig evakuiert wird?
Verbleiben Luft oder Feuchtigkeit in einem System, kann dies unterschiedliche Folgen haben. Wie stark diese ausfallen, hängt unter anderem von der Menge, dem Kältemittel, dem Öl und dem konkreten System ab.
Mögliche Auswirkungen sind beispielsweise:
- ungünstige Betriebsdrücke: Nicht kondensierbare Gase können die Druckverhältnisse im System beeinflussen.
- geringere Wärmeübertragung: Der Kältemittelkreislauf kann weniger effizient arbeiten.
- höherer Energieverbrauch: Ein ungünstiger Betriebszustand kann die elektrische Leistungsaufnahme erhöhen.
- chemische Reaktionen: Feuchtigkeit kann mit bestimmten Kältemitteln oder Ölen reagieren.
- langfristige Schäden: Bei ungünstigen Bedingungen können Komponenten des Kältekreislaufs stärker belastet werden.
Es ist jedoch nicht seriös zu behaupten, dass ein Kompressor ohne Evakuierung automatisch nach einer bestimmten Anzahl von Monaten oder Jahren ausfällt. Das Risiko für Fehlfunktionen und Schäden kann jedoch deutlich steigen.
Welche Aufgabe hat die Vakuumpumpe?
Eine Vakuumpumpe für Kälte- und Klimaanwendungen soll einen ausreichend niedrigen Druck im Kältemittelkreislauf beziehungsweise in den neu installierten Leitungen erzeugen.
Damit können Luft und Wasserdampf aus dem System entfernt werden.
Zur fachgerechten Beurteilung reicht ein einfaches mechanisches Manometer häufig nicht aus. Bei professionellen Arbeiten werden geeignete Messgeräte verwendet, mit denen sich ein tiefes Vakuum präziser beurteilen lässt.
Wie lange muss eine Klimaanlage evakuiert werden?
Eine pauschale Zeitangabe ist nicht sinnvoll. Die notwendige Dauer hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Länge und Volumen der Leitungen
- Größe des Systems
- Leistung und Zustand der Vakuumpumpe
- Umgebungstemperatur
- Menge der im System vorhandenen Feuchtigkeit
- Durchmesser der Schläuche und Anschlüsse
- gewünschtem beziehungsweise vorgeschriebenem Endvakuum
Deshalb sollte eine Evakuierung nicht ausschließlich nach dem Prinzip „Pumpe 20 Minuten laufen lassen und fertig“ beurteilt werden.
Entscheidend ist, dass das vorgesehene Vakuumniveau erreicht wird und sich anschließend stabil verhält.
Warum reicht die Anzeige in bar oft nicht aus?
Ein klassisches Manometer kann einen starken Unterdruck anzeigen, obwohl noch Unterschiede im tatsächlich erreichten tiefen Vakuum bestehen.
Für professionelle Kältearbeiten werden deshalb häufig Vakuummessgeräte verwendet, die wesentlich kleinere Druckbereiche erfassen können.
Das ermöglicht eine präzisere Beurteilung, ob das System ausreichend evakuiert wurde.
Was ist eine Vakuumhalteprüfung?
Nach dem Erreichen des gewünschten Vakuums wird bei fachgerechten Arbeiten häufig überprüft, wie sich der Druck bei abgeschalteter beziehungsweise getrennter Vakuumpumpe verhält.
Steigt der gemessene Druck deutlich an, kann dies verschiedene Ursachen haben, beispielsweise:
- eine Undichtigkeit,
- weiter ausgasende Feuchtigkeit,
- Probleme an Schläuchen oder Ventilen,
- eine nicht ausreichend lange beziehungsweise tiefe Evakuierung.
Eine Vakuumhalteprüfung ersetzt allerdings nicht automatisch sämtliche vorgesehenen Dichtheitsprüfungen.
Evakuieren und Dichtheitsprüfung sind nicht dasselbe
Diese beiden Arbeitsschritte werden häufig miteinander verwechselt.
Das Evakuieren dient vor allem dazu, Luft und Feuchtigkeit aus dem System zu entfernen.
Eine Dichtheitsprüfung soll dagegen überprüfen, ob der Kältemittelkreislauf beziehungsweise die Verbindungen ausreichend dicht sind.
Welche Prüfverfahren vorgesehen sind, hängt vom jeweiligen System, Kältemittel und den technischen Anforderungen ab.
Was ist mit Quick-Connect-Klimaanlagen?
Bei sogenannten Quick-Connect-Systemen werden spezielle vorbereitete Verbindungen eingesetzt, um die Montage der Kältemittelleitungen zu vereinfachen.
Allerdings sind Quick-Connect-Systeme nicht alle technisch identisch.
Je nach Hersteller können beispielsweise:
- Leitungen bereits evakuiert sein,
- Kupplungen werkseitig abgedichtet sein,
- Kältemittel ausschließlich im Außengerät vorhanden sein,
- andere vorbereitete Anschlusskonzepte verwendet werden.
Deshalb ist die pauschale Aussage „Quick Connect bedeutet immer vorgefüllte Leitung und keine Evakuierung“ nicht korrekt.
Entscheidend sind ausschließlich Aufbau und Installationsvorgaben des konkreten Systems.
Sind Quick-Connect-Systeme schlechter?
Auch das lässt sich nicht pauschal sagen.
Qualität und Haltbarkeit hängen von Konstruktion, Kupplungssystem, Montagequalität und Hersteller ab.
Es wäre deshalb nicht fachlich korrekt, generell zu behaupten, dass Quick-Connect-Verbindungen nach drei oder fünf Jahren undicht werden.
Ebenso können auch klassische Bördelverbindungen undicht werden, wenn sie nicht fachgerecht hergestellt oder montiert wurden.
Vorgefülltes Außengerät bedeutet nicht automatisch „montagefertig“
Viele Split-Klimaanlagen werden mit einer definierten Kältemittelmenge im Außengerät ausgeliefert.
Diese Füllung kann für eine bestimmte maximale beziehungsweise vorgesehene Leitungslänge ausgelegt sein.
Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass neu montierte Leitungen ohne weitere Vorbereitung und Prüfung mit dem Kältemittel beaufschlagt werden sollten.
Maßgeblich sind immer die Installationsvorgaben des Herstellers.
Warum sollte man Luft nicht einfach mit Kältemittel „herausdrücken“?
Gelegentlich wird empfohlen, das Kältemittel kurz durch die Leitungen strömen zu lassen, um vorhandene Luft zu verdrängen.
Dieses Vorgehen ist kein fachgerechter Ersatz für eine ordnungsgemäße Evakuierung.
Zum einen lässt sich damit nicht zuverlässig sicherstellen, dass Feuchtigkeit entfernt wurde. Zum anderen kann dabei Kältemittel unkontrolliert freigesetzt werden.
Kältemittel sollten nicht absichtlich in die Atmosphäre freigesetzt werden. Arbeiten am Kältemittelkreislauf unterliegen technischen und – je nach Kältemittel und Tätigkeit – gesetzlichen Anforderungen.
Darf man eine Split-Klimaanlage selbst evakuieren?
Bei Arbeiten an Split-Klimaanlagen ist zwischen rein mechanischen Vorbereitungsarbeiten und Eingriffen in den Kältemittelkreislauf zu unterscheiden.
Arbeiten an Anlagen mit bestimmten fluorierten Kältemitteln unterliegen rechtlichen Anforderungen an die Qualifikation beziehungsweise Zertifizierung der ausführenden Personen und Unternehmen.
Darüber hinaus erfordert eine fachgerechte Inbetriebnahme geeignetes Mess- und Prüfwerkzeug sowie Kenntnisse über Kältemittel, Drücke, Dichtheit und elektrische Sicherheit.
Die sicherste Vorgehensweise ist, die Inbetriebnahme und Arbeiten am Kältemittelkreislauf von einem entsprechend qualifizierten Fachbetrieb durchführen zu lassen.
Woran erkennt man Probleme mit einer Vakuumpumpe?
Eine Vakuumpumpe sollte in der Lage sein, das für die jeweilige Anwendung erforderliche Vakuumniveau zuverlässig zu erreichen.
Mögliche Hinweise auf Probleme können sein:
- das vorgesehene Vakuum wird trotz geeignetem Aufbau nicht erreicht,
- das Pumpenöl ist stark verunreinigt oder milchig,
- ungewöhnliche mechanische Geräusche,
- deutlicher Leistungsverlust der Pumpe,
- beschädigte Anschlüsse oder Dichtungen.
Dabei liegt die Ursache nicht zwingend an der Pumpe selbst. Undichte Schläuche, Ventile oder Verbindungen können ebenfalls verhindern, dass ein ausreichend tiefes Vakuum erreicht wird.
Welche Rolle spielt das Vakuumpumpenöl?
Bei ölgeschmierten Vakuumpumpen hat der Zustand des Pumpenöls erheblichen Einfluss auf die erreichbare Leistung.
Nimmt das Öl Feuchtigkeit oder Verunreinigungen auf, kann sich die Vakuumleistung verschlechtern.
Deshalb sollten Zustand und Wechselintervalle entsprechend den Vorgaben des Pumpenherstellers kontrolliert werden.
Fazit: Warum ist die Vakuumpumpe bei einer Klimaanlage wichtig?
Bei klassischen Split-Klimaanlagen ist das Evakuieren ein wichtiger Bestandteil einer fachgerechten Inbetriebnahme.
Die Vakuumpumpe entfernt Luft und unterstützt die Entfernung von Feuchtigkeit aus den neu installierten Leitungen. Dadurch werden geeignete Bedingungen für einen zuverlässigen Kältemittelkreislauf geschaffen.
Dabei sollte die Qualität der Evakuierung nicht allein anhand einer festen Minutenzahl beurteilt werden. Wichtiger sind das tatsächlich erreichte Vakuum, seine Stabilität und die fachgerechte Prüfung des Systems.
Quick-Connect-Systeme können einen anderen Installationsablauf besitzen, müssen aber immer entsprechend den Vorgaben des jeweiligen Herstellers behandelt werden.
Wer eine neue Anlage plant, findet hier unsere Split-Klimaanlagen im Überblick .
FAQ: Häufige Fragen zur Vakuumpumpe bei Klimaanlagen
Die Vakuumpumpe dient dazu, Luft und Feuchtigkeit aus bestimmten Bereichen des Kältemittelkreislaufs beziehungsweise aus neu verlegten Leitungen zu entfernen, bevor die Anlage in Betrieb genommen wird.
Es gibt keine für jede Anlage gültige feste Zeit. Leitungslänge, Pumpenleistung, Feuchtigkeit, Temperatur und das geforderte Endvakuum beeinflussen die notwendige Dauer. Entscheidend ist das erreichte und stabile Vakuumniveau.
Im Leitungssystem können Luft und Feuchtigkeit verbleiben. Dadurch können Betriebsdrücke, Effizienz und langfristige Betriebssicherheit beeinträchtigt werden. Wie stark die Folgen ausfallen, hängt vom jeweiligen System und der Menge der Verunreinigungen ab.
Sie kann die Entfernung von Feuchtigkeit ermöglichen, indem sie den Druck im System so weit reduziert, dass Wasser bei deutlich niedrigeren Temperaturen verdampfen kann. Der entstandene Wasserdampf wird anschließend mit abgesaugt.
Das hängt vom konkreten Quick-Connect-System ab. Manche Systeme sind entsprechend vorbereitet, andere besitzen einen anderen Installationsablauf. Maßgeblich ist immer die Installationsanleitung des Herstellers.
Nein. Beim Evakuieren werden vor allem Luft und Feuchtigkeit entfernt. Eine Dichtheitsprüfung dient dagegen dazu, die Dichtheit des Systems beziehungsweise der Verbindungen zu überprüfen.
Ein mögliches Indiz ist, dass trotz dichter und korrekt angeschlossener Messausrüstung das erforderliche Vakuumniveau nicht erreicht wird. Auch verschmutztes Pumpenöl, ungewöhnliche Geräusche oder mechanische Probleme können Hinweise sein.
Ein vorgefülltes Außengerät bedeutet nicht automatisch, dass neu verlegte Kältemittelleitungen bereits frei von Luft und Feuchtigkeit sind. Ob und welche Evakuierung erforderlich ist, richtet sich nach Aufbau und Installationsvorgaben des konkreten Systems.




